CONTAINMENT und RESILIENZ – Etwas ganz erleben und in sich halten können –

Übersicht

 

Containment ist die Basis dafür, etwas bewusst zu erleben, lernen und integrieren zu können.
Wie ein Gefäß/ Container, das eine bestimmte Menge an Inhalt von Dingen, die sich in uns bewegen, fassen kann.
Containment ist hauptverantwortlich für unsere Möglichkeiten für Veränderung und den Genuss unseres Lebens. 

Dies möchten wir mit euch genauer betrachten. 

Wir beleuchten:

  • Was ist Containment? Was ist Resilienz & das Toleranzfenster
  • Was ist der Unterschied zwischen einer Situation mit und ohne Containment?
  • Wie ist das Verhältnis zwischen Containment und Trauma?

Was ist Containment?

 

Containment ist die Fähigkeit und der Zustand, etwas ganz erleben und in mir/ meinem Nervensystem beinhalten zu können.
Dies wird sonst oft auch Selbst-Containment genannt.

Das heißt, eine Erfahrung ist dann in mir contained, wenn ich

  • die Situation & mich ganz wahrnehmen kann
  • sie in mir beinhalten, mich nicht durch Erstarren und Kollaps (ggf. Kampf &/ Flucht) entziehen muss
  • verstoffwechseln/ neuro-physiologisch verarbeiten kann

und mein System dabei kohärent bleibt – sprich nicht in einen Freeze kommt, oder daran zerbricht (fragmentiert). 

Die Situation, die contained wird, kann alles Mögliche sein: 
Eine getriggerte alte Emotion, eine schöne Begegnung, eine herausfordernde Yoga-Position oder eine Massage-Berührung. 
Es geht darum, dass ich den „Reiz und die Auswirkungen“ dieser Situation in mir wahrnehmen (fühlen, spüren) und verstoffwechseln (verstehen, zuordnen, integrieren) kann. 

Dieses Verständnis von Containment (des autonomen Nervensystems) wird auch in “Somatic Experiencing” verwendet. 

Containment ist spezifisch und kann bei einem Menschen in verschiedenen Bereichen sehr unterschiedlich sein – in Abhängigkeit von Ressourcen, Ebenen und Themen (SIBAM).

Zum Beispiel kann jemand körperlich sehr belastbar sein, aber wenn innere Themen in einer Beziehung getriggert werden, ist der Container schnell überfüllt und Emotionen schwappen über. 

Weitere Arten von Containment, und wo/ wie der Begriff Containment noch genutzt wird:

  • Nach dem britischen Psychoanalytiker Wilfred R. Bion bezeichnet Containment den Vorgang, in dem eine Person die Gefühle/ Emotionen einer anderen Person aufnimmt und verarbeitet und reguliert in “Häppchen” zurückspiegelt, sodass dieser Mensch lernt, dass diese Gefühle bewältigbar sind.
    Dieser Vorgang basiert auf der Beziehung zwischen Elternteil und Säugling, wo der Elternteil die Angst des Kindes aufnimmt, sie beruhigt und beruhigt zurückgibt.
    (Quelle: https://lexikon.stangl.eu/37074/containment)
  • Das Toleranzfenster (nach dem Psychiater Daniel Siegel) beschreibt den Bereich der Aktivierung des autonomen Nervensystems, in dem wir Herausforderungen containen können, also weder über- noch untererregt sind

Containment vs. Resilienz

 

Containment
Fokus auf die Größe und den Inhalt des Containers/ Toleranzfensters. Die Fähigkeit zur Selbstregulation, bevor der Inhalt zu viel wird und überschwappt.

 

Resilienz
Die Fähigkeit, die Größe des Containers/ Toleranzfensters an Herausforderungen anzupassen und nach Überforderungen wieder in Regulation zu finden (und nicht traumatisiert zu sein). So kann der Container/ das Toleranzfenster wachsen und mehr beinhalten.

 

Eine kleine Gegenüberstellung

 

Beispiel:
In einer Begegnung mit einem bärtigen Mann wird eine starke Emotion von Angst in mir „getriggert“. 

Nicht containedContained
  • Die Angst ist überwältigend – Meine gesamte Erfahrung wird von der Angst erfüllt, ein klares Gefühl wie die Angst verschwindet und ein amorpher Zustand eintritt. 
  • Ich verliere meine Orientierung – Ich kann nicht unterscheiden, was mit dieser Person zu tun hat und was meine (getriggerte) Reaktion ist. 
  • Ich kann mich nicht regulieren – Es fällt mir schwer, mich zu beruhigen, ich steigere mich immer mehr rein. 
  • Ich habe keine klare Erinnerung an die Situation – Wenn ich später versuche mich zu erinnern, ist die Situation unklar oder verwirrend. 
  • Die Erfahrung ist nur „schrecklich“ – Ich erlebe das, was passiert, als total! furchterregend, schrecklich und als hätte ich keinen Einfluss darauf oder Beteiligung daran.
  • Die Angst ist contained – Ich nehme die Angst in mir wahr. Es existiert noch etwas außer der Angst. 
  • Ich bleibe orientiert – Ich kann meine Umgebung wahrnehmen und zwischen getriggerter Emotion und momentaner Situation unterscheiden.
  • Ich kann mich regulieren – Ich kann mich trotz der Angst beruhigen und relativ adäquat handeln. 
  • Ich habe später eine klare Erinnerung – Ich kann später über die Situation nachdenken und habe eine klare Abfolge von Geschehnissen. 
  • Die Erfahrung ist auch lebendig – Sie ist vielleicht nicht schön, aber zumindest auch lebendig. So kann ich auch daraus lernen.

Was ist Containment im Verständnis der 

Polyvagal Theorie (PVT)?

 

Ganz simpel gesagt: Containment = Ich und/oder genügend Anteile von mir sind in grün (parasympathisch innerviert) oder orange (sympathisch innerviert).

Ich erlebe Situationen dann contained, wenn genug von mir in einem grünen/ orangenen   Bereich modulierter Erregung bleiben kann.

Das heißt, meine roten/ orangenen Anteile können noch von genug grünen/ orangenen  Anteilen erlebt, erfahren und dadurch im Nachhinein auch wieder entspannt werden. 

Ich muss mich nicht komplett entziehen (auch, wenn sich einige Anteile entziehen), sondern ich kann da bleiben und diesen Rückzug erleben.
So kann dieses Erlebnis wirklich erfahren und damit auch integriert werden.

Ich bin so lange contained, wie ich die Reaktionen, inklusive meiner Kampf, Flucht & Freeze Reaktionen noch mit einigen grünen/ orangenen Anteilen erleben & tolerieren kann, ohne dass ich mich von der Situation oder meinen Reaktionen entfernen muss. 

 

Das Verhältnis von Containment und Resilienz zu Trauma

 

Solange ich eine Situation containen kann, wird sie nicht zu einem Trauma! 
Erst, wenn ich sie nicht mehr „halten“ kann, kann ich sie nicht mehr verstoffwechseln und bin so (neuro-physiologisch) ab-/ gespalten, wodurch mein Körper in den Überlebensreaktionen stecken bleiben kann. 
Solange ich die Situation noch wirklich erleben, sprich containen kann, gibt es keinen Grund für Spaltung und daher keinen Anlass, warum etwas in meinem Körper oder Nervensystem stecken bleiben müsste.  
Auch wenn in einer Situation von Überforderung, parasypathische Erstarrung und Kollaps (Shutdown und ggf. Spaltung) entstehen, müssen diese nicht anhaltend, also traumatisch sein. 
Wir können uns regulieren und von einem neu gefundenen Containment Trauma vermeiden & heilen. So wächst auch unsere Resilienz.

Das Vergrößern des Containers durch Resilienztraining und Containment im oberen Bereich ist ein Bestandteil traumatherapeutischen Arbeitens in HB.

Aus neurophysiologischer Perspektive kann man sogar so weit gehen zu sagen: 
Nur solange ich etwas containe/ beinhalten kann, erlebe ich es auch wirklich. 

Denn wenn uns eine Situation überwältigt, verändert sich unsere neurophysiologische Aktivität, was so weit geht, dass der Thalamus („Das Tor zum Bewusstsein“) sich verschließt und die Amygdala („Wächter der Emotionen“) die Informationen nicht mehr ver- & bearbeiten kann.

Die Auswirkung von Trauma auf Containment

 

Die unvollendeten Überlebens-Reaktionen eines Schock-Traumas können Containment nachhaltig beeinflussen. 
Da sich die Erregung im (Nerven-)System nicht abgebaut hat, ist ein Teil dauerhaft in einem aktivierten, orangenen /& roten Zustand und reagiert daher auch so auf die Welt. 
Das heißt, selbst kleine oder ungefährliche Situationen werden als sehr bedrohlich und gar überwältigend interpretiert. 

Das heißt so viel wie: Meine grüne Basis ist kleiner als sonst. 
Oder mein Toleranzfenster ist enger, meine Resilienz geringer als sonst und ich reagiere schneller mit roten & orangenen Strategien auf Situationen, die dies objektiv nicht erfordern.

Warum ist Containment wichtig?

 

Containment ist die Basis, um etwas erleben und daraus lernen zu können. So ist es unabdingbar für Entwicklung und Freude am Leben.
Schlicht gesagt macht Containment Lebendigkeit, Freude und (Er-)Leben überhaupt erst möglich! 
Je mehr wir containen können, desto mehr können wir 

  • unser Leben genießen (sowohl die herausfordernden wie auch die schönen Momente)
  • über uns selbst und das Leben lernen, an Themen arbeiten und uns entwickeln
  • uns innerlich und äußerlich nachhaltig verändern

Containment ist die Bedingung dafür, Dinge tief und präsent erleben zu können. 
Genau diese Basis wollen wir mit euch in dieser Ausbildung stärken und mit euch daran arbeiten, wie ihr eure Protagonist*innen dabei unterstützen könnt, dass auch sie mit mehr Containment und Resilienz umfassender leben und wirklich intensiv lebendig sein können. 

 

Warum ist Resilienz wichtig?

 

Durch Herausforderungen wachsen wir und unser Containment, wenn diese kurzfristig und nicht zu intensiv sind und wir wieder in einen regulierten, containten Zustand zurückkehren können.
Wenn wir dauerhaft stark gefordert bis überfordert sind, nehmen Resilienz und Containment jedoch ab. Ähnlich wie im Sport braucht es einen trainingswirksamen Reiz, um zu wachsen. Ein dauerhaftes Übertraining mit zu wenig Regenerationspausen/ Ressourcen führt hingegen zu Stagnation oder sogar Rückschritten.

 

Fazit

 

Containment ist notwendig, um Erlebtes wirklich zu genießen, daraus lernen und es integrieren zu können, sodass eine verkörperte Erfahrung daraus werden kann.
Containment ist die Grundlage für Selbstkontakt und Selbstwirksamkeit, gerade wenn wir in einer hohen Aktivierung, Überforderung oder Traumatisierung festhängen. Diese “Traumaheilung” unterstützen wir mit Regulation und  somatischer Körpertherapie.

Wenn wir Menschen aber eher in grün und ressourciert sind, sind oft auch die oberen Grenzbereiche unseres Containments und Resilienz spannend zu erleben und fördern das Wachstum des Containers. So können wir erfüllter, lebendiger und intensiver leben. Wir wachsen als Menschen, was oft auch als persönliches und spirituelles Wachstum bezeichnet wird. 

In Holistic Bodywork geht es darum, Heilung zu unterstützen, wo sie gebraucht wird, wie auch Persönlichkeitsentwicklung zu fördern. Wir begleiten dies meist in einer Gleichzeitigkeit und positiven Wechselwirkung, denn in manchen Bereichen haben wir als Menschen Stärken und können uns weiterentwickeln, während wir in anderen Bereichen Unterstützung benötigen. Für die Menschen, die wir begleiten, wie auch für uns selbst, bestärkt dies das 

Ganz Mensch sein.

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Quellen

 

  • Buch Peter Levine – Sprache ohne Worte
  • Buch Peter Levine – Trauma and Memory
  • Buch Bessel van der Kolk – The Body keeps the score
  • Buch Laurence Heller – Entwicklungstrauma heilen