Ein Liebesbrief an Körperarbeiter

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Dies ist ein Liebesbrief an die Körperarbeit. Und ein Liebesbrief an die Körperarbeiter: An all diejenigen, die immer wieder dem Körper lauschen, zuhören und aktiv mit ihm arbeiten. 

Auch wenn die Gesellschaft uns nicht immer die größte Wertschätzung gibt –  wir leisten etwas, was wenige andere können und haben einen wichtigen Job.

Menschen kommen zu uns, wenn sie in Not sind. Wenn sie etwas brauchen, was sie sonst nicht bekommen – ob Linderung, Entspannung oder Berührung.
Dabei berühren wir immer wieder Körper und Menschen, die sich nach Kontakt und Berührung sehnen. Wir berühren den physischen Körper und gleichzeitig, auch wenn es nicht der Fokus ist, den emotionalen, energetischen und mentalen Körper. Wir sehen den Körper und die Problemstellen, die Menschen häufig vor sich selbst und auch vor ihren nächsten Angehörigen und Partnern verstecken. 

Das gilt für alle Facetten, Geschmacksrichtungen und Ausrichtungen, die es im weiten Feld der Körperarbeit gibt:  

  • als Physiotherapeutin, die Menschen bei akuten Rückenschmerzen Linderung gibt
  • als Thaimasseur, der durch tänzerische Bewegungen den ganzen Körper dehnt, lockert und energetisiert
  • als Yoga-Lehrerin, die gestressten Bürotigern aktiven Urlaub im Alltag bietet
  • als Tantra-Masseur, der einen sicheren Raum zur Erforschung der eigenen Lebendigkeit und Lust anbietet
  • als ganzheitliche Körperarbeiter*innen, die Schultern berühren, um Menschen mit den alten Wunden ihres Herzens zu helfen

Wir alle leisten einen wichtigen Job. Und wir wissen, wie komplex unsere Arbeit dabei wirklich ist: wie viel Hintergrundwissen, Technik, Übung und Einfühlungsvermögen sie erfordert.

Dieser Artikel ist ein Liebesbrief an das, was wir bereits erreichen – und die Potentiale, die noch in unserer Arbeit schlummern.

Die Erwartung, mit der Menschen zu uns kommen:
Körperarbeiter sind erfahrene Hand-Werker

Viele Menschen kommen mit Problemen und der Erwartung, dass unsere Hände ihnen helfen können – das Verrückte dabei ist: Oft können wir das.

Wir verstehen, wie Körperbereiche funktionieren, die andere Menschen nur als “Schulter” oder “Aua” kennen. Wir können einzelne Muskeln (AHA, der Supraspinatus ist angespannt) lokalisieren, über (standardisierte) Tests und Palpation einen Eindruck bekommen, wo ein mögliches Problem liegt – ob ein Gelenk de/zentriert ist oder es doch auf nervaler Ebene etwas hakt. Allein dies erfordert Wissen, Fähigkeiten und Übung, die viele Menschen sich kaum vorstellen können.

Wenn wir nur auf dieser Ebene arbeiten würden und Resultate erzielten, wäre unsere Arbeit schon besonders und wirkungsvoll. Doch wir alle wissen, dass es nicht so “einfach” ist.

Die Realität unserer Arbeit ist:
Die Probleme und Wünsche, mit denen Menschen zu uns kommen,
haben häufig viel tiefere Ursachen

  • Die eingefrorene Schulter der jungen Frau ist Ausdruck der Angst, die bei ihr im Körper feststeckt
  • Der Wunsch des Managers nach Entspannung ist so groß, weil das Nervensystem dauerhaft im Kampf-Flucht-Modus feststeckt
  • Das Bedürfnis nach Berührung des Stammgastes wurzelt in den Gefühlen der Einsamkeit und Isolation

Häufig können wir auch hier kurzfristige Linderung verschaffen (obwohl die meisten von uns nicht einmal dafür ausgebildet sind): Die Zeit mit uns, die Berührung, die Einstimmung unsererseits auf den Körper unseres Gegenübers vermittelt

  • Sicherheit – und die Schulter entspannt sich
  • einen Ort zum Runterkommen – und das Nervensystem reguliert sich
  • Kontakt – und für eine Weile weiß mein Körper, dass ich nicht allein bin.

Und auch hier wieder: Ein Hoch auf die Körperarbeit und Körperarbeiter. Wenn wir Menschen diese kurzen Momente anbieten können, ist dies bereits ein besonderes Geschenk für jeden Einzelnen. Allerdings, wenn wir auf lange Sicht nicht den gewünschten (Therapie-) Erfolg aufweisen können – ist dies weder für uns als Therapeuten noch für die Klienten zufriedenstellend.

Die Folge:
Stress, Unklarheit und fehlende Resultate

Wenn die tieferen Themen, Wünsche und Schichten der Probleme nicht explizit angesprochen werden, können sich zwei mögliche Probleme daraus entwickeln:

  1. Es entsteht Unklarheit und Stress für uns als Behandler
  2. Unsere Behandlungen werden die Bedürfnisse der Klienten nur kurzfristig erfüllen, somit erzeugen wir nur eine kurzweilige Verbesserung, wodurch Unzufriedenheit, Stress und Unmut auch beim Klienten aufkommen.

Zu 1.

Wenn emotionale Themen oder unterliegende Bedürfnisse nicht explizit angesprochen werden, erzeugt dies oft unrealistische Erwartungshaltungen und Stress bei uns als Körperarbeiter.

Wenn wir versuchen Klienten zu helfen, deren körperliche Probleme eigentlich Ausdruck von alten emotionalen Themen sind, ist es leicht im Burnout oder Selbstzweifeln zu landen.
(Dies passiert besonders leicht, wenn wir keine Ausbildung in diesen Bereichen haben, wie ich aus vergangenen persönlichen Erfahrungen bestätigen kann…)

Zu 2.

Auch wenn wir über unsere Behandlungen die tieferen Bedürfnisse von Protagonisten kurzfristig erfüllen können, bleiben langfristige Veränderungen oft aus, wenn Klienten nicht lernen können, sich um ihre eigenen Bedürfnisse neu zu kümmern – als Erwachsene.

Dafür braucht es andere Werkzeuge, die wir als Masseure, Yogalehrer und selbst Physiotherapeuten nicht lernen.
Genau hier sehen wir das Potential – den nächsten Schritt – für Körperarbeit.

Das Potential für Körperarbeiter:
Professionell mit Bedürfnissen und Mustern arbeiten

Wir als Körperarbeiter haben schon besondere Fähigkeiten: Wir können Menschen präzise und einfühlsam berühren. Wir können Menschen auf eine Art und Weise näher kommen, die selbst für andere Therapeuten sehr ungewöhnlich ist.

Wenn wir dann auch noch die tieferen Bedürfnisse und Muster, die Leute haben in diese Behandlung einbeziehen lernen, können wir Erfahrungen und Settings anbieten, die wahrlich einzigartig sind:

  • Wir können an einer Schutzhaltung arbeiten und gleichzeitig die auftauchenden Glaubenssätze hinterfragen
  • Wir können das Gefühl der Angst erforschen und durch Berührung einen sicheren Rahmen schaffen
  • Wir können Menschen körperlich und emotional berühren

Wir hier im Holistic-Bodywork Team glauben, dass ganzheitliche Körperarbeit ein so riesiges Potential hat, das Wenige bisher nutzen (mich und uns inbegriffen).
Die Kombination aus Berührung und Bewegung mit emotionalen, mentalen und trauma-therapeutischen Tools ist sehr kraftvoll. Für die Klienten mit denen wir arbeiten und auch für uns als Therapeuten.

Wir hoffen, euch auf diesem Weg begleiten oder inspirieren zu können. Bei Fragen oder Anmerkungen, meldet euch gerne!