Wünsche & Ziele in der Körperarbeit

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Wir können nicht bewusst verändern,
was wir nicht wahrnehmen und verstehen.

Was sind die wichtigsten Fähigkeiten & Werkzeuge für Körperarbeiter, Therapeuten, Wellness-Masseure und auch Trainer & (Yoga-)Lehrer?

  • Anatomisches Verständnis?
  • Wahrnehmungs- & Palpationsfähigkeit?
  • Massagetechniken & Übungen?

Wir glauben, alle sind wichtig. Und unserer Erfahrung nach gibt es eine Fähigkeit, die unumgänglich und sogar noch wichtiger für unsere Arbeit ist – auch wenn sie kaum Wissen und keine Körperberührung beinhaltet.

Diese Fähigkeit ist die “Wunschklärung” mit Klienten.
Sprich, die Möglichkeit in einem kurzen Gespräch zu begreifen, was sich jemand in seinem Leben und/oder einer Behandlung mit uns wünscht.

Je genauer ich begreife (= verstehe, spüre, fühle) was sich ein Klient wünscht und warum er oder sie zu mir kommt, desto besser kann ich mit dieser Person an genau diesem Wunsch arbeiten.
Dadurch sind Klienten motiviert für die gemeinsame Arbeit und desto einfacher werden die Behandlungen und ihr Erfolg. Eigentlich logisch, oder?

Unsere Fertigkeiten in diesem Bereich beeinflussen maßgeblich,

  • wie leicht unsere Sessions sind
  • wie lange Effekte bleiben
  • wie glücklich Klienten mit unserer Arbeit sind
  • und wie zufrieden wir mit unseren Behandlungen sind, oder ob wir Frust mit nach Hause nehmen

In diesem Artikel möchten wir Dir ein bisschen Hintergrundwissen zur Wunschklärung vorstellen und 3 Frage-Tools geben, die Du ausprobieren kannst.

Was ist “Wunschklärung”?

Bei der Wunschklärung geht es darum, dass Therapeut*in und Klientin gemeinsam den Wunsch der Klientin begreifen. Für uns heißt einen Wunsch zu begreifen, dass ich verstehe, aber auch fühle und spüre, was eine Person möchte (ich gehe mit dem Wunsch der Person in Resonanz).

Unsere These: Wenn jemand zu Behandlungen kommt, hat diese Person einen Wunsch: Sie möchte etwas verändern (Schmerz loswerden), eine Erfahrung machen (Entspannung) oder etwas neues lernen (z.B. Bewegung und Stressregulation).
Je genauer wir dies begreifen, desto genauer können wir genau dies auch anbieten.

Warum ist das wichtig?

Weil wir andere Menschen damit ernst nehmen, sie da aholen wo sie wirklich sind und dahin begleiten wo sie wirklich hinwollen. Außerdem machen wir uns damit das Leben, die Arbeit leicht – und sorgen gleichzeitig für gute Resultate.

Wenn ich nicht genau weiß, was jemand will, kann ich noch so viele supertolle Techniken ausprobieren und perfekt ausführen – ich weiß weder, ob sie für diese Person passen noch, wie genau ich sie auf eine Person zuschneiden kann.

Je genauer ich hingegen den Wunsch einer Person kenne, desto spezifischer kann ich meine Techniken auswählen und ein passendes Setting klären.
Das ist effektiv, erfüllend und macht sogar beiden Seiten Freude.

EINSCHUB:
Gesprächsführung und Wunschklärung als Fähigkeit für Körperarbeiter

Viele Körperarbeiter sind es gewöhnt ihre Griff-& Massagetechniken, sowie Bewegungstools zu üben und anzuwenden. Aber wenige tun das Gleiche mit Gesprächstools und gezielten Fragen.

Dabei gilt: Wir können Fragen und Gesprächsführung genauso üben wie gezielte Berührung und Bewegung. Es fühlt sich am Anfang oft komisch an (ein bisschen roboterhaft und gestelzt), aber wenn man den Dreh einmal raus hat, sind plötzlich ganz neue Dinge möglich.

Unserer Erfahrung nach können selbst einfache Coaching-Tools eine unglaubliche Erleichterung für viele Körperarbeiter bringen. Das, was viele Teilnehmer*innen in unserer Ausbildung berichten ist, dass sie plötzlich das Gefühl haben, ihre Klienten viel besser mitzubekommen, mit ihnen in einem Boot zu sitzen und gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

3 Fragen für Deine Sessions:

In diesem Abschnitt möchten wir Dir 3 einfache Fragen inklusive Beispielen anbieten, damit Du ‘Wunscherforschung’ auch in Deinen Sessions besser nutzen kannst.

1. “Was wünschst Du Dir von dieser Behandlung / für Dein Leben?“

 

Frage-Varianten:

  • Hast Du einen Wunsch für unsere Zeit zusammen?
  • Wenn diese Session Dir etwas geben könnte, was würde Dich am meisten unterstützen?

Dies ist eine sehr grobe Frage als Einstieg und um den Wunsch eines Klienten oder einer Klientin kennenzulernen.

Mögliche Antworten und Beispiele:

  1. Klient: “Ich möchte mich heute einfach entspannen.”
  2. Klientin: “Ich habe seit einiger Zeit Schmerz in meiner Leiste, der nicht weg geht und möchte diesen gerne loswerden.”

Beide Antworten bieten einen ersten Einstieg in den Wunsch der Klienten und erlauben uns eine erste Unterscheidung: Klient 1 wünscht sich vielleicht eher eine Wellness-Massage und Klientin 2 eher eine medizinischere Behandlung.

Man könnte jetzt versuchen, allein mit diesen Informationen einen Behandlungsansatz zu finden. Doch wir glauben, ein bisschen mehr “Wunscherforschung” wird uns helfen, eine wirklich passende Behandlung zu gestalten.

Dafür möchten wir die nächsten beiden Fragen nutzen. Und das schöne ist – es sind die gleichen Fragen für Wellness und medizinische Behandlungen. Wir möchten die Fragen anhand der Beispiele vorstellen.

2. Was heißt “Entspannung” für Dich?

 

In der ersten Frage geht es darum, dass wir als Therapeuten einen Schritt in die Welt des Klienten machen – und ihr oder ihm damit erlauben, sich selbst nochmal tiefer wahrzunehmen. (und zu reflektieren)

Frage-Varianten

  • Was genau heißt Entspannung für Dich?
  • Was macht Entspannung für Dich aus?

Mögliche Antworten & Behandlungsansätze für Entspannung

  1. “Ich fühle mich oft so steif im Nacken – wenn mein Nacken loslassen könnte, das würde mich freuen.”
  2. “Ich bin in letzter Zeit so angespannt und gestresst; ich wünsche mir, dass endlich nochmal mein Kopf frei wird und ich einfach mal runter fahren kann.

Hieraus ergeben sich unterschiedliche Behandlungsansätze:

  1. Die Beschreibung des Klienten ist muskulär UND lokal. Eine Behandlung der Muskeln im Nackenbereich mit Fokus auf loslassen und Entspannung passt zu dem Wunsch.
  2. Die Beschreibung bezieht sich auf eine globale Aktivierung des Körpers. Eine Behandlung, die den gesamten Körper mit einbezieht, die Anspannung und den Stress aufnimmt, um eine allgemeine Entspannung und potentielle Ruhe (Kopf frei) einzuladen würde zu dem Wunsch passen.

Je genauer unsere Behandlungsansätze maßgeschneidert sind an das, was sich ein Klient wirklich wünscht, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie das bewirken, was er sich wünscht. Deswegen versuchen wir uns genau an den Wunsch des Klienten anzupassen.

3. Was wäre anders, wenn der “Leistenschmerz” nicht mehr da ist?

Diese Frage ist ähnlich wie die erste, hat aber einen stärkeren Fokus auf die Veränderung – sie eignet sich besonders, wenn die Klientin sich einen funktionalen Unterschied wünscht.

Frage-Varianten:

  • Wenn der Schmerz weniger wäre, was würde das verändern?
  • Was könntest Du tun, wenn der Schmerz nicht mehr da wäre?

Mögliche Antworten:

  1. Dann würde es hier außen an der Hüfte nicht mehr ziehen und ich würde weniger Schmerzen in der Lendenwirbelsäule kriegen.
  2. Ich kann beim Kickboxen wieder den High-Kick nutzen.

Hieraus ergeben sich unterschiedliche Behandlungsansätze:

  1. Die Beschreibung der Klientin deutet auf einen größeren Zusammenhang zwischen Leiste, Hüfte und unterem Rücken hin. Es lohnt sich den gesamten Bereich einzubeziehen und zu überprüfen, wo die Schmerzen wahrscheinlich herkommen.
  2. Der Wunsch der Klientin ist weniger die Schmerz-Reduktion selbst als das, was sie dann wieder tun kann. Als Behandlungsansatz können wir eine Mischung aus Arbeit direkt im Gewebe und aktiven Bewegungen nutzen, um die Motivation der Klientin aktiv miteinzubeziehen.

Was uns die “Wunsch-Erforschung” erlaubt

Mithilfe dieser einfachen Coaching-Tools können wir begreifen, was Menschen wirklich wollen – was sie zu uns in die Behandlung bringt. Wenn wir dies klarer haben, können wir unsere Ansätze so zuschneiden und eine “Custom-Fit-Behandlung” anbieten, die zu genau dieser Klientin passt, die vor uns sitzt.
So fühlen sich Klienten oft viel mehr gesehen, wahrgenommen und abgeholt. Klienten sind motivierter und können einschätzen was die Behandlung ihnen bringt – meist sind sie dadurch bestärkt und zufriedener.

Wir als Behandler, Trainier oder Yogalehrer können endlich selbst klar einschätzen, ob dies eine “gute Behandlung” war und wie wir unsere Ansätze verändern können, sollte es notwendig sein.

Wir hoffen, Du kannst diese Werkzeuge in Deinen Behandlungen und Stunden nutzen und freuen uns über Fragen, Anregungen und Diskussion.