Warum Spiritualität in einem ganzheitlichen körpertherapeutischem Ansatz (HB)?
Die WHO definierte 1948 Gesundheit wie folgt:
„Gesundheit ist ein Zustand völligen psychischen, physischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen. Sich des bestmöglichen Gesundheitszustandes zu erfreuen ist ein Grundrecht jedes Menschen, ohne Unterschied der Rasse, der Religion, der politischen Überzeugung, der wirtschaftlichen oder sozialen Stellung.„
(Hervorhebung durch uns)
Bei Holistic Bodywork verbinden wir Körperarbeit, Coaching, traumasensible Ansätze und neuro-wissenschaftliche Erkenntnisse mit einer spirituellen Basis. Dabei geht es uns nicht primär darum, Krankheiten und Probleme zu behandeln. Wir möchten Menschen darin unterstützen, glücklicher, erfüllter und bewusster zu leben – und sie in ihrer eigenen Entwicklung und ihrem Wachstum fördern und begleiten.
Aber was meinen wir eigentlich genau, wenn wir von Spiritualität sprechen? Und was unterscheidet Spiritualität, Religiosität und Gruppen (Sekten), in denen Menschen ihre Eigenständigkeit verlieren, voneinander?
In diesem Video kommen Pascal Beaumart und Luka Koch darüber ins Gespräch:
1. Spiritualität als Potentialentfaltung, Selbstausdruck und Selbst-Verwirklichung
Vielleicht beginnt Spiritualität mit einer sehr menschlichen Sehnsucht: Ich möchte mich selbst erkennen. Ich möchte ich selbst sein. Ich möchte ganz sein. Ich möchte mein Leben so gestalten, dass es sich wirklich nach meinem Leben anfühlt.
Wir alle kennen das Bedürfnis, gesehen zu werden. Nicht für eine Rolle, eine Leistung oder eine bestimmte Eigenschaft, sondern als der Mensch, der wir wirklich sind.
Dazu gehört auch unser Selbstverständnis und Selbstausdruck:
- Wer bin ich?
- Was ist mir wichtig?
- Was möchte ich kreieren?
- Was macht mich glücklich und lebendig?
- Was möchte durch mich in die Welt?
- Wie kann ich mit mir selbst und gleichzeitig mit meiner Umwelt verbunden sein?
In der Bedürfnispyramide, die wir in HB nutzen (angelehnt an Maslow, NARM Entwicklungstrauma heilen von Laurence Heller, Chakren System in “Eastern Body Western Mind” von Anodea Judith), finden wir diese Wachstumsbedürfnisse in den oberen 3 Stufen der Pyramide:
Dabei sehen wir auch, dass eine sichere Basis, erfüllte Grund- und Sicherheitsbedürfnisse, immer wieder das Fundament für unser Wachstum sind.
Spirituelle Erfahrungen?
Spiritualität kann auch eine Erfahrung von Verbundenheit beschreiben:
- Die scheinbar klare Trennung zwischen „mir“ und „der Welt“ wird durchlässiger – wie es als Embryo in der Gebärmutter vielleicht sogar normal war
- Ich erlebe mich als Teil von etwas Größerem – und gleichzeitig ganz unmittelbar als individuelles Selbst
Solche Erfahrungen finden sich in vielen spirituellen und religiösen Traditionen. Im Christentum etwa gibt es die Vorstellung, dass das Göttliche als Kern im Menschen, in der Beziehung zu anderen Menschen und in allem Leben erfahrbar werden kann. Im Buddhismus finden wir wiederum andere Konzepte von Selbst, Verbundenheit und dem Auflösen von Trennung (vgl. Trauma = Mangel an Verbindung).
Wir wollen diese unterschiedlichen Traditionen nicht zu einer einzigen Wahrheit vermischen. Uns interessieren vielmehr die gemeinsamen Erfahrungen verschiedener Traditionen zu unterschiedlichen Zeiten, in verschiedenen Kulturen und mit unterschiedlichen Hintergründen: Was sind universelle Erfahrungen?
Vielleicht kennst Du das:
Eine Berührung, eine Bewegung oder ein zwischenmenschlicher Kontakt führt dazu, dass Menschen sich plötzlich sehr unmittelbar mit sich (und anderen) verbunden fühlen. Dies kann auch in der Natur und in Verbindung mit anderen Lebewesen passieren.
Manchmal entstehen dabei innere Bilder, manchmal einfach ein tiefes Gefühl von Selbst-Verständlichkeit im Sein: „da(s) bin ich“. Eine innere Ruhe, vielleicht sogar ein Frieden mit sich und der Welt, eine Klarheit, Zentriertheit, Zufriedenheit, Erfüllung und Glück.
Oft geschieht so etwas auch in Holistic-Bodywork.
Wir bezeichnen dies, angelehnt an das IFS-Konzept, nach Richard Schwartz, als Ausdruck (Qualitäten) des Selbst: Z.B. Präsenz, Neugier, Mitgefühl, Klarheit, Offenheit, Mut, Kreativität oder Verbundenheit, die in einem solchen Moment spürbar werden.
Besonders spannend wird es, wenn zwei (oder mehrere) Menschen sich aus diesem Zustand heraus begegnen. Wenn das „Selbst“ des einen Menschen das „Selbst“ des anderen wahrnehmen kann. In spirituellen Traditionen gibt es dafür Bilder wie:
Das Göttliche in mir sieht das Göttliche in dir.
“Namaste” aus dem Sanskrit:
“Ich ehre den Platz in dir, in dem das gesamte Universum wohnt. Ich ehre den Platz des Lichts, der Liebe, der Wahrheit, des Friedens und der Weisheit in dir. Ich ehre den Platz in dir, wo, wenn du dort bist und auch ich dort bin, wir beide eins sind.”
– Mahatma Gandhi
Für uns bedeutet das nicht, dass wir perfekt oder „erleuchtet“ sein müssen. Im Gegenteil: Es braucht die Bereitschaft, sich selbst immer wieder zu ent-wickeln und die eigenen Themen wahrzunehmen und ihnen zu begegnen. Genau diese Aspekte sind eine wichtige Grundlage dafür, andere Menschen in einer Session wirklich ganzheitlich begleiten zu können.
Spiritualität ist für uns auch eine Haltung: die Bereitschaft, jeden Menschen als Ganzes wahrzunehmen – mit Körper, Gefühlen, Gedanken, Sehnsüchten, Wünschen, Beziehungen, Handeln (…) und der eigenen inneren Welt.
2. Sehnsucht und Motivation
Oft kommen Menschen nicht aus einem theoretischen Interesse zur Spiritualität (oder zu Holistic Bodywork 😉 ). Sie kommen aus einer Sehnsucht und Wünschen wie:
- wirklich glücklich zu sein
- sich verbunden zu fühlen
- ihr volles Potential zu entfalten
- ihr Leben wirklich zu leben und nicht nur zu funktionieren
- zu heilen, ganz zu sein
Vielleicht kennst Du auch sogenannte Peak-Erlebnisse: Augenblicke, in denen plötzlich alles stimmig erscheint. Der Körper fühlt sich lebendig und verbunden an, die Welt wirkt weit, wir fühlen uns im Fluss, zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
Wie wäre es, wenn dies nicht nur einzelne Erlebnisse sind?
Unsere Motivation für unsere Arbeit in HB ist es, solche Erfahrungen nicht nur auf besondere Seminare, Retreats oder Sessions zu beschränken. Was wäre, wenn ein Stück davon immer mehr in unseren Alltag, unsere Beziehungen und unsere Arbeit einfließen könnte? Wenn wir aus verbundenen Zuständen heraus behandeln und andere Menschen in diesem Erleben begleiten?
Dann wird Spiritualität praktisch, spürbar, verkörpert und Teil des Lebens!
Uns geht es nicht darum, möglichst viele besondere Zustände zu erleben. Entscheidend ist für uns, was sich daraus entwickelt.
Kann ich aus einem verbundenen Zustand heraus anders mit mir, meinem Gegenüber und der Welt umgehen? Kann ich mit Unterschieden umgehen, ohne die Verbindung zu verlieren? Kann ich mich selbst, meine Bedürfnisse spüren und gleichzeitig die Freiheit der anderen Menschen respektieren?
3. Spiritualität und Trauma
Für viele Menschen beginnt die spirituelle Suche im Zusammenhang mit eigenen traumatischen Erfahrungen. Wenn wir früh lernen mussten, bestimmte Teile von uns abzuspalten, anzupassen oder nicht zu zeigen, kann später eine tiefe Sehnsucht nach dem entstehen, was einmal verloren gegangen ist: nach sich selbst, nach Ganzheit, nach Verbundenheit.
Der Weg zurück zu sich selbst ist dann gleichzeitig ein Ent-wicklungsweg.
Uns ist es wichtig, die möglichen Verbindungen zwischen Spiritualität und Trauma zu benennen und auch darüber zu sprechen, welche “Gefahren” uns auf dieser Suche begegnen können.
- Ein Mensch, der den Kontakt zu sich selbst nur eingeschränkt erleben kann, ist möglicherweise besonders empfänglich für äußere Orientierung und Manipulation. Wenn ich nicht gut spüre, was ich denke, fühle oder möchte, kann es sehr verlockend sein, einem Menschen zu folgen, der scheinbar Antworten auf alles hat. Das kann im spirituellen Kontext passieren – genauso aber in Politik, Beziehungen, Unternehmen oder anderen Gemeinschaften.
- In spirituellen Praktiken des “innerlichen Beobachtens“ (auch nicht-Anhaften/ “Detachment”), wie z.B. Vipassana Meditation und Yoga, kann einerseits ein Zustand von starker Innenschau, Ich-Auflösung, von tiefer Verbundenheit oder Einheit erlebt werden. Andererseits, und das besonders bei Menschen mit (Entwicklungs-) Trauma Geschichte, können sie aber auch in Rückzug, Erstarrung (Freeze) und nicht mehr verbunden sein, ggf. mehr Abspaltung (pseudo Detachment) bis hin zu Retraumatisierung führen.
- Und oft führt gerade eine Trauma-Geschichte, ein erlebter Mangel an Verbindung, dazu, dass sich Menschen zu diesen Praktiken hingezogen fühlen.
- Von außen sehen diese Zustände (tiefe innere Verbundenheit und Freeze) oft identisch aus:
- wenig Bewegung
- geschlossene Augen
- starke Orientierung nach innen
Für uns gehört deshalb dazu, neugierig zu sein und zu fragen: Was erlebt dieser Mensch gerade wirklich? Was macht das Nervensystem? Was nimmt dieser Mensch wahr? Fühlt er sich lebendig und verbunden – oder ist er vielleicht überfordert, abgeschnitten und im Freeze?
Diese Differenzierung zwischen Freeze, Abspaltung, Trennung und einem Gefühl von Verbundensein mit sich, anderen und der Welt – sich als Teil eines größeren Ganzen erleben (transpersonales Erleben), ist für uns ein sehr wichtiger Aspekt einer traumasensiblen Spiritualität. Auch, um in der traumasensiblen Körpertherapie damit zu arbeiten.
Denn gleichzeitig kann Spiritualität und spirituelles Erleben eine große Ressource, eine Quelle von Kraft sein, die wir in der Traumaarbeit nutzen können und die wie ein “Gegengewicht” zu traumatischen Erfahrungen fungiert.
4. Was Spiritualität für uns nicht ist
Wir glauben nicht, dass einzelne Personen eine besondere Wahrheit „gedownloadet“ haben, die andere Menschen einfach übernehmen sollen.
- Wir sprechen in HB aus unseren Erfahrungen. Wir teilen, was wir gelernt und erkundet haben. Wir beziehen unterschiedliche Modelle, Konzepte und Perspektiven ein – und wir werden unsere Meinung auch verändern, wenn neue Erfahrungen oder Erkenntnisse dazukommen.
- Wir behaupten keinen Alleinanspruch auf Wahrheit.
Das bedeutet auch: Eine Person kann in einem Bereich sehr erfahren sein und in einem anderen nicht. Vielleicht kann jemand hervorragend massieren – und ist deshalb nicht automatisch kompetent in Psychologie, verbaler Kommunikation oder Neurowissenschaft.
- Wir möchten Menschen nicht überhöhen oder abwerten, sondern ihnen auf Augenhöhe mit Interesse und Offenheit begegnen.
Deshalb gibt es für uns auch kein festes Schema, das für alle passt und angewendet werden sollte. Bei uns wird nicht Personen, Methoden oder Weltbildern blind gefolgt. Wir bieten Erfahrungs- und Evaluationsräume an: Räume, in denen Menschen etwas ausprobieren, wahrnehmen und anschließend selbst überprüfen können, was davon für sie stimmig und hilfreich ist, und was nicht.
5. Was wir anders machen
Bei uns gibt es kein Erleuchtungsranking. 😉 Und kein “besser-sein” im Behandeln.
Wir möchten bestmögliche Bedingungen schaffen, in denen Menschen sich selbst erfahren, lernen, heilen und sich (fachlich, wie persönlich/ spirituell) entwickeln können.
- Ein Raum, in dem ich mich zeigen kann, ohne abgewertet zu werden. In dem ich mich vielleicht in anderen Menschen wiedererkenne und feststelle: „Ich bin nicht allein damit, das geht nicht nur mir so.“
- Ein Raum, wo ich gesehen werde, wie ich bin und in dem ich nicht anders sein muss, um dazuzugehören.
Denn genau das kann eine Grundlage für spirituelles, heilsames und verbindendes Erleben sein: Ich bin nicht falsch. Ich darf so sein, wie ich bin – und das ist richtig.
Als Menschen sind wir verschieden und ähnlich zugleich.
In unseren Gruppen kommen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Berufen, Lebensgeschichten und Wissen zusammen. All das gehört dazu.
- Wir lernen von- und miteinander, laden Individualität ein und feiern sie. Sowohl als Menschen, wie auch in der Art, wie jede*r Einzelne arbeitet.
- Wir verstehen Entwicklung nicht als lineares „besser werden“. Sondern als ein Ent-Wickeln und Aus-Bilden. Etwas, das bereits da ist, kann sich nach und nach zeigen und entwickeln, wenn die Bedingungen dafür passend sind. Dies bereitet den Boden für Wachstum: ein neues Ausbilden von Fähigkeiten und Kompetenzen.
Und selbstverständlich sind die Menschen, die unsere Kurse und Ausbildung gemacht haben, nicht an uns gebunden.
Sie finden und gestalten ihre eigenen Wege, arbeiten auch miteinander, tauschen sich aus und verbinden Holistic Bodywork, verankert in sich Selbst, mit ihren eigenen Erfahrungen und Kompetenzen.
Lerne uns, unsere Philosophie und spirituellen Ansätze live in Sessions, Kursen und Ausbildungen kennen
Fazit:
Spiritualität ist für Holistic Bodywork kein festes Weltbild, keine Sammlung vorgegebener Wahrheiten und auch kein Wettbewerb. Sie beschreibt vielmehr eine Haltung und einen Erfahrungsraum: die Möglichkeit, sich selbst bewusster wahrzunehmen, die eigene Entwicklung zu entfalten und Verbundenheit mit sich, anderen Menschen und der Welt zu erleben.
In einem ganzheitlichen körpertherapeutischen Ansatz können Körperarbeit, Coaching, traumasensible Methoden, neurowissenschaftliche Erkenntnisse und Spiritualität miteinander verbunden werden. Entscheidend ist dabei, Spiritualität nicht von der Lebensrealität des Menschen zu trennen. Spirituelle Erfahrungen sollen nicht dazu dienen, schwierige Gefühle oder traumatische Erfahrungen zu umgehen (“spiritual bypassing”), sondern können – bewusst und traumasensibel eingesetzt – eine wertvolle Ressource für Entwicklung, Selbstwahrnehmung und Heilung sein.
Gerade im Umgang mit Trauma braucht es deshalb Differenzierung: Äußere Ruhe, Rückzug oder wenig Bewegung können Ausdruck von Verbundenheit und Präsenz sein, aber ebenso von Erstarrung, Überforderung oder Abspaltung. Eine traumasensible spirituelle Praxis ist deshalb auf jeden Menschen individuell zugeschnitten und versucht nicht, bestimmte innerliche und äußerliche Zustände zu erreichen.
Für uns bedeutet ganzheitliche Arbeit auch, Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und ihnen Raum für ihre eigene Erfahrung zu geben. Es geht nicht darum, eine bestimmte Wahrheit zu vermitteln oder Menschen an eine Methode, Person oder Gemeinschaft zu binden. Vielmehr möchten wir Erfahrungsräume schaffen, in denen Menschen selbst wahrnehmen, überprüfen und entscheiden können, was für sie stimmig und hilfreich ist und was auch ganz klar nicht.
So verstanden wird Spiritualität praktisch und verkörpert: Sie zeigt sich nicht darin, möglichst außergewöhnliche Zustände zu erreichen, sondern darin, wie wir mit uns selbst, mit anderen Menschen und mit der Welt umgehen. Vielleicht liegt genau darin ihr größtes Potenzial: nicht jemand anderes werden zu müssen, sondern immer mehr der Mensch werden zu können, der wir bereits sind.
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FAQs
1. Was bedeutet Spiritualität im Holistic Bodywork Ansatz?
Spiritualität bedeutet für uns vor allem, den Menschen als Einheit von Körper, Gefühlen, Gedanken, Beziehungen und innerer Welt wahrzunehmen. Sie kann dabei helfen, Selbstwahrnehmung, Verbundenheit und persönliche Entwicklung zu fördern. Bei Holistic Bodywork wird Spiritualität nicht als festes Glaubenssystem verstanden, sondern als offener Erfahrungsraum, in dem Menschen ihre eigenen Erfahrungen machen und reflektieren können.
2. Was ist der Unterschied zwischen Spiritualität und Religion?
Religion ist häufig mit bestimmten Glaubensinhalten, Traditionen, Ritualen und Gemeinschaften verbunden. Spiritualität kann dagegen auch unabhängig von einer bestimmten Religion erfahren werden. Sie beschreibt beispielsweise das persönliche Erleben von Verbundenheit, Sinn, innerer Entwicklung oder die Erfahrung, Teil von etwas Größerem zu sein. Spiritualität und Religion können sich überschneiden, sind aber nicht dasselbe.
3. Welche Rolle spielt Spiritualität bei Trauma und körpertherapeutischer Arbeit?
Spiritualität kann bei Menschen mit traumatischen Erfahrungen sowohl eine Ressource als auch eine Herausforderung sein. Spirituelle Praktiken können Verbundenheit, Selbstwahrnehmung und innere Stabilität fördern. Gleichzeitig besteht insbesondere bei Entwicklungstrauma die Gefahr, dass Rückzug, Erstarrung oder Abspaltung mit einem spirituellen Zustand verwechselt werden. Deshalb ist ein traumasensibler Ansatz wichtig, der zwischen echter Präsenz und möglichen Schutzreaktionen des Nervensystems unterscheiden kann.
4. Kann Spiritualität bei der persönlichen Entwicklung und Selbstverwirklichung helfen?
Ja. Spiritualität kann einen Zugang zu Fragen eröffnen wie: Wer bin ich? Was ist mir wirklich wichtig? Was macht mich glücklich? Und wie möchte ich mein Leben gestalten? In diesem Sinne kann Spiritualität die persönliche Entwicklung unterstützen, indem sie Selbstwahrnehmung, Klarheit, Kreativität, Mitgefühl, Mut und Verbundenheit fördern kann. Dabei geht es nicht darum, einem bestimmten Ideal zu entsprechen, sondern die eigenen Fähigkeiten und Potenziale zunehmend zu entdecken, auszudrücken und zu leben.
5. Was bedeutet traumasensible Spiritualität?
Traumasensible Spiritualität bedeutet, spirituelle Erfahrungen und Praktiken mit einem Bewusstsein für die Auswirkungen von Trauma zu betrachten. Dabei wird berücksichtigt, dass beispielsweise Meditation, Rückzug oder sogenannte Ich-Auflösung für unterschiedliche Menschen sehr unterschiedliche Erfahrungen bedeuten können. Eine traumasensible Begleitung achtet deshalb darauf, ob ein Mensch sich lebendig, präsent und verbunden fühlt oder möglicherweise in Freeze, Überforderung oder Abspaltung gerät. Ziel ist ein sicherer und selbstbestimmter Umgang mit Spiritualität, bei dem die eigene Wahrnehmung und Autonomie erhalten bleiben.
