Ist das eine körperliche Verspannung oder emotionale Schutzhaltung?

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Ein Problem, dass viele Yogalehrer*innen, Masseur*innen und Physios kennen: Wir arbeiten an einer Spannung im Nacken. Es wird besser. Eine Woche später ist sie wieder da. Was jetzt?

Wenn Schmerzen und Probleme bei Klienten sich langfristig nicht verbessern, ist es notwendig nach tieferen Ursachen zu schauen. Hier können wir als Körperarbeiter allgemein zwei Wege gehen:

1. Schutz-Spannung -
eine osteopathisch-physiotherapeutische Perspektive:

Eine Schutzspannung entsteht, wenn der Körper Spannungen und Haltungen aufbaut, um einen gefährdeten Körperbereich (z.B. unterer Rücken) zu schützen (entlang der hinteren Faszienkette). So lange der Körper diese Schutzspannung braucht, wird sie immer wiederkehren und Schmerzen in den Schwachpunkten dieser Kette verursachen (Nacken).

Schutzspannungen laufen normalerweise entlang von Wirk-Ketten im Körper (sogenannten myo-faszialen Ketten). Sie zeigen sich meist in Form von Symptomen in den schwächsten Gliedern dieser Ketten (Nacken, Knien, unterer Rücken), auch wenn die Ursache eine andere sein kann. Die Spannung kann nur dauerhaft gelöst werden, wenn sich an der Ursache etwas ändert, sprich an der Struktur, die bisher geschützt wird.

Ein Beispiel bildlich ausgedrückt:

2. Schutz-Haltung -
eine psychologisch-traumatherapeutische Perspektive:

Eine Schutzhaltung entsteht, wenn der Körper Spannungen und Haltungen aufbaut, um vor emotionaler Verletzung zu schützen.
Je nachdem welche Strategie die Person dafür nutzt, zeigt der Körper unterschiedliche Haltungen (Brustkorb aufplustern, Kopf einziehen…) und damit unterschiedliche Spannungsmuster. 

Solange der Mensch das Bedürfnis nach psychologisch-emotionalem Schutz hat, wird er diese Haltungen und dadurch Spannungen immer wieder aufbauen. Dementsprechend werden auch die Schmerzen wieder auftauchen. 

Bildlich ausgedrückt:

Holistic Bodywork Behandlungsansätze:

Als Holistic Bodyworker, ganzheitliche Körperarbeiter, wollen wir einen Rahmen anbieten, in dem wir flexibel mit den tatsächlichen Ursachen der Spannungen arbeiten können:

  • Haben wir es hier mit einem verlegenen Nacken zu tun? → Nackenmassage & Mobilisation
  • Oder einer körperlichen Schutzspannung, weil der Klient ein verhaktes ISG hat? → ISG mobilisieren und Arbeit entlang der hinteren Faszienkette (für uns verbunden mit der Thai-Energiebahn Sen Sumana) vom unteren Rücken bis in den Nacken
  • Oder mit einer emotionalen Schutzhaltung, weil die Person sich chronisch unsicher fühlt in der Welt? → Arbeit mit dem Nervensystem sowie den zugrundeliegenden Glaubenssätzen, wie z.B. “Menschen sind gefährlich“ …

Dadurch, dass wir nie mit 100%iger Sicherheit sagen können, ob es sich um eine rein körperliche oder doch psycho-somatische Ursache handelt, ist es uns so wichtig, Therapieansätze zu bieten, die beide Möglichkeiten behandeln können.

Um dies in einer Körperarbeits-Session gut abdecken zu können, sind unserer Meinung nach folgende Aspekte besonders wichtig:

1. Ein (verbindendes) und qualitativ hochwertiges Vorgespräch: 

Durch ein Vorgespräch können wir erfahren, was ein Klient sich wirklich von uns wünscht, welche Zusammenhänge er für sein Problem bereits versteht und durch genaues Beobachten der Körpersprache können wir bereits viel über emotionale Ladungen und Impulse lernen. 

Dies verrät uns viel darüber, ob es sich “nur” um ein körperliches Problem handelt, oder ob emotionale Komponenten mit aktiv sind. Zusätzlich können wir unsere Techniken dann viel präziser auswählen und anpassen. 

Deshalb glauben wir, jeder Körperarbeiter sollte essentielle Kommunikations-Techniken und Coaching-Tools nutzen können. 

2. Sensitiver Einstieg in die Körperarbeit: 

Besonders zu Beginn einer Behandlung ist es wichtig, sensitiv und mit großer Aufmerksamkeit vorzugehen. Die unbewussten und unmittelbaren Reaktionen des Klienten auf unsere Berührungen und Techniken geben uns unglaublich viele Informationen über tiefere Ursachen des Problems:

  • Wirkt der Klient ängstlich?
  • Welche Körperbereiche werden geschützt?
  • Verändert sich der Kontakt mit dem Klienten?

Besonders bei Schutz-Haltungen, ist es sehr wichtig auf diese subtilen Grenzen zu achten, da wir sonst schnell die gleichen Muster bestärken. Diese zeigen sich meist primär durch vegetative Reaktionen (Gesichtsausdruck, Atmung, Spannung) auf unsere Behandlung. Es ist wichtig, diese Zeichen zu bemerken und lesen zu können. 

3. Spezifisches und individuell angepasstes Behandeln: 

Wenn wir im Vorgespräch und zu Beginn der “hands on” Behandlung ein präziseres Bild davon erhalten haben, was Ursachen der Spannung sein können, ergibt es Sinn, auch spezifischer zu behandeln. 

Im Fall von Schutz-Spannungen können wir nun unser Hintergrundwissen für Wirk-Ketten im Körper (myo-faszialen Ketten und Energiebahnen) nutzen und umfassend behandeln. 

Im Fall von Schutz-Haltungen können wir mit trauma-sensitiver Körperarbeit und Gesprächstechniken den Klienten dabei begleiten, neue emotionale Erfahrungen zu machen und sich sicherer zu fühlen.

Die Herausforderung und Schönheit von ganzheitlicher Körperarbeit

Eine der größten Herausforderungen für Holistic Bodyworker, ganzheitliche Körperarbeiterinnen (und besonders solche, die es werden wollen) ist es, die Komplexität dieser Behandlungsansätze zu begreifen und in uns halten (d.h. verkörpern) zu können.

Es ist eine Kunst, die Ursachen von Problemen erkennen zu lernen – und ein Handwerk dann präzise mit ihnen arbeiten zu können, egal, ob diese auf der emotionalen, körperlichen oder sogar anderen Ebenen liegen. 

Es ist genau diese Kunst, die wir euch näher bringen wollen. 
Deswegen freuen wir uns, dass ihr hier seid und diesen Artikel lest!